Hinrichtungen weltweit

 

 

 

USA

 

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Dienstag, 09.Dezember 2009

Nach drei Monaten  -  Ohio vollstreckt wieder Todesurteil

   

Washington, 08. Dezember 2009 Es wurde erstmals eine neue Methode eingesetzt.


Knapp drei Monate nach einer nach stundenlangen Qualen für den Todeskandidaten abgebrochenen Hinrichtung ist am Dienstag, dem 08. Dezember  im US-Bundesstaat Ohio erstmals wieder ein Todesurteil vollstreckt worden. Der wegen Mordes verurteilte 51-jährige Kenneth Biros starb im Gefängnis von Lucasville durch eine Giftinjektion, die nur eine einzige tödliche Substanz enthielt. Dabei handelte es sich um eine bisher unerprobte Methode, weshalb Gegner der Todesstrafe von einem grausamen Experiment an einem Gefangenen sprachen.

Große Qualen
Bisher wurde eine Art Gift-Cocktail aus drei Substanzen verabreicht. Die erste soll Schmerzen verhindern, die zweite die Körpermuskulatur lähmen, die dritte den Herzstillstand herbeiführen. Kritiker dieser Methode führten an, dass der Todeskandidat womöglich große Qualen leidet, sich aber wegen der Lähmung nicht äußern kann. Problematisch war auch, dass die Substanzen in eine Vene gespritzt werden mussten.

Im Fall der abgebrochenen Hinrichtung des Gefangenen Romell Broom Anfang September führte das für den Verurteilten zu zweistündigen Qualen, weil die Justizmitarbeiter auch nach 18 Versuchen keine Vene fanden. Broom verließ die Hinrichtungskammer wieder, über sein weiteres Schicksal ist noch nicht entschieden.

Spritze in Muskelgewebe
Nach dem Fall Broom, der weltweit für Entsetzen sorgte, setzte die Justiz in Ohio Hinrichtungen aus, um neue Methoden prüfen zu lassen. Kenneth Biros war der erste Gefangene, der nach den neuen Vorschriften zu Tode gebracht wurde. Die neue Giftinjektion enthielt eine hohe Dosis des Narkosemittels Thiopental, die zum Tod führte.

Hätte das Hinrichtungspersonal keine Vene gefunden, hätte es zwei andere Chemikalien in todbringender Dosis ins Muskelgewebe spritzen müssen - ein Beruhigungsmittel und ein Schmerzmittel. Das neue Protokoll gewährt dem Personal drei Anläufe, um den Verurteilten zu töten.

 

 

 

Freitag, 04.Dezember 2009

Trotz geistiger Behinderung - 44-jähriger hingerichtet

Wegen Vergewaltigung und Ermordung eines elfjährigen Mädchens wird im US-Bundesstaat Texas ein 44 Jahre alter Mann hingerichtet. Bobby Woods stirbt durch eine Giftspritze.

Bobby Woods starb durch eine Giftspritze.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

 

Das Oberste Gericht der USA hatte den Weg für seine Hinrichtung frei gemacht, obwohl Woods Anwälte dreimal Berufung eingelegt hatten, weil ihr Mandant geistig zurückgeblieben war. Das Gericht hatte 2002 die Hinrichtung von geistig Behinderten verboten, die endgültige Beurteilung des Geisteszustands der Angeklagten aber den Bundesstaaten überlassen.

Woods war 1998 von einem Geschworenengericht schuldig gesprochen worden, die Tochter seiner Ex-Freundin vergewaltigt und ermordet zu haben. Der neunjährige Bruder des Mädchens überlebte das Verbrechen.

Woods ist der 24. Gefangene, der in diesem Jahr in Texas hingerichtet wurde. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 wurde sie in dem Bundesstaat 447 Mal vollstreckt.

 

 

Donnerstag, 03.Dezember 2009

Hinrichtung nach 29 Jahren Todeszelle

29 Jahre nach seiner Verurteilung ist im US-Bundesstaat Tennessee ein Dreifachmörder hingerichtet  worden. Der 53-jährige Cecil Johnson starb am Mittwoch (Ortszeit) im Riverbend-Gefängnis in Nashville nach der Injektion einer tödlichen Giftspritze.

 

Cecil C. Johnson Jr.


Der Oberste Gerichtshof der USA hatte zuvor gegen einen Hinrichtungsaufschub gestimmt, obwohl der Richter John Paul Stevens darauf hingewiesen hatte, dass es keine klaren Beweise für seine Verurteilung gegeben habe. Durch die lange Zeit in der Todeszelle sei Johnson zudem "entmenschlichten Bedingungen" ausgesetzt gewesen.

Verurteilter beteuerte seine Unschuld
Johnson war schuldig gesprochen worden, bei einem Überfall auf ein Lebensmittelgeschäft drei Menschen erschossen zu haben, darunter einen zwölfjährigen Jungen. Er hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert. Johnson war der 49. Häftling, der in diesem Jahr in den USA hingerichtet wurde und der sechste in Tennessee seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976.

Johnson, zum Tode verurteilt, wurde am Mittwoch um 1:34 Uhr für tot erklärt, nachdem er seiner Familie wiederholt "Ich liebe dich" ausgesprochen hatte.

Vor seinem Tod erteilte das Bundesgericht in Nashville eine einstweilige Verfügung, mit der die Autopsie von Johnsons bis zur weiteren gerichtlichen Überprüfung gestoppt wurde. Eine Anhörung fand am Donnerstag, den 10. Dezember, um 13.00 Uhr statt.

Johnson behauptete, eine Autopsie nach der Hinrichtung würde gegen seine religiösen Überzeugungen verstoßen und "eine Entweihung bedeuten".
Johnson ist der zweite verurteilte Insasse, der in diesem Jahr in Tennessee getötet wurde, und der sechste Insasse seit der Wiederaufnahme der Todesstrafe im Jahr 2000.
Johnson ist der 49. verurteilte Insasse, der in diesem Jahr in den USA getötet wurde, und der 1185. Insgesamte seit der Wiederaufnahme der Hinrichtungen am 17. Januar 1977.

 

 

 

Mittwoch, 18.November 2009

Erste Hinrichtung auf Elektrischem Stuhl seit über einem Jahr

Im US-Bundesstaat Virginia ist ein ehemaliger US-Soldat am Abend 
mit dem Elektrischen Stuhl hingerichtet worden.

Richmond . -Ein ehemaliger Spionageabwehrmann der Armee wurde am Dienstag von einem elektrischen Stuhl hingerichtet, weil er ein Ehepaar aus Virginia getötet hatte. Er war der erste US-Insasse, der seit mehr als einem Jahr durch einen Stromschlag gestorben war.

Bildergebnis für Larry Bill ElliottLarry Bill Elliott, 60, aus Hanover, Md., Wurde um 21.08 Uhr im Greensville Correctional Center für tot erklärt. Er wurde wegen der Erschießung des Todes der 25-jährigen Dana Thrall und des 30-jährigen Robert Finch im Januar 2001 verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft sagte, Elliott habe das Paar getötet, um die Liebe der ehemaligen Stripperin und Eskorte Rebecca Gragg zu gewinnen, die in einen erbitterten Sorgerechtsstreit mit Finch verwickelt war.

Elliott sagte in der Todeskammer, dass er eine endgültige Erklärung vorbereitet habe, die seine Anwälte nach der Hinrichtung lesen sollten. In der dreiseitigen getippten Erklärung behauptete Elliott seine Unschuld und hoffte, dass Gruppen, die sich der Todesstrafe widersetzen, seinen Fall "als Startrampe für die Beseitigung der Todesstrafe" nutzen würden. 

"Das System, das ich ein Leben lang verteidigt habe, hat mich im Stich gelassen", heißt es in der Erklärung.

Die Exekution um 21:08 Uhr Ortszeit (03:08 Uhr deutscher Zeit) war die erste Hinrichtung auf dem Elekrtischen Stuhl in den Vereinigten Staaten seit über einem Jahr. Der 60-jährige Delinquent war Virginias ältester Insasse in der Todeszelle und hatte sich zuvor selbst zwischen der Giftspritze und dem Elektrischen Stuhl entscheiden können. In den 35 US-Bundesstaaten, in denen es die Todesstrafe gibt, ist nur noch in sieben der Elektrische Stuhl im Einsatz.

Als Elliott um 20:55 Uhr in die Todeskammer gebracht wurde, warf er mehrere Male einen Blick auf den Eichenstuhl, bevor er sich umdrehte und sich darauf setzte. Elliott freute sich oder beobachtete die Mitglieder des Hinrichtungsteams, als sie ihn fest in den Stuhl schnallten und Metallklammern mit einem in Salzlösung getränkten Seeschwamm an seiner rechten Wade und seinem Kopf befestigten, die beide rasiert waren. Das Team befestigte elektrische Kabel vom Boden an den Metallklammern und legte einen braunen Riemen über einen Großteil von Elliotts Gesicht, der an der Stuhllehne befestigt war, um seinen Kopf zu stützen. Als der Bediener in einem Raum neben ihm die "Ausführen" -Taste drückte, spannte sich Elliotts Körper an, als er mehrere Stromstöße erhielt. Einige Minuten später überprüfte ein Arzt den Herzschlag und erklärte ihn für tot.

Bildergebnis für Larry Bill Elliott

Früher am Tag lehnte Virginia Gouverneur Timothy M. Kaine es ab, die Hinrichtung zu stoppen, und der Oberste Gerichtshof der USA lehnte es am Montag ab, einzugreifen. Zwei getrennte Jurys verurteilten Elliott wegen der Morde. Ein Urteil aus dem Jahr 2002 wurde aufgehoben, weil ein Juror den Fall außerhalb des Gerichts erörterte. Ein Jahr später wurde er erneut verurteilt.

Elliott, die mit drei erwachsenen Kindern und einem Teenager verheiratet war, traf Gragg online, als sie eine Anzeige aufstellte, die nach einem "Zuckervater" suchte. Sie sagte Elliott, sie wolle ihr Leben verändern und brauche finanzielle Unterstützung, um ein Unternehmen zu gründen, das Stripper-Kostüme entwirft und verkauft.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass Elliott über 18 Monate etwa 450.000 US-Dollar für die Versorgung von Gragg mit einem Haus, einer Privatschule für ihre beiden Kinder, einem Auto, einer Brustvergrößerungsoperation und einer Kreditkarte ausgegeben habe. Staatsanwälte sagten, Elliott sei von Gragg besessen und habe Finch getötet, um ihre Liebe zu gewinnen. Eine Gerichtsverhandlung in ihrem Sorgerechtsverfahren war für die Woche angesetzt, in der Finch getötet wurde.

Finch wurde dreimal angeschossen, und Thrall wurde geschlagen, bevor ihr mehrmals ins Gesicht und in die Brust geschossen wurde, während ihre beiden Jungen im Alter von 4 und 6 Jahren oben im Woodbridge-Stadthaus des Paares waren.

Mit 60 Jahren war Elliott Virginias der älteste Todestraktinsasse. Er war der fünfte Häftling in Virginia, der durch Stromschlag starb, seit 1995 die Wahl der tödlichen Injektion fiel.

Von den 35 Staaten, in denen die Todesstrafe verhängt wurde, bieten sieben südliche Staaten immer noch Stromschläge an. Zwei andere erlauben es nur, wenn die tödliche Injektion als verfassungswidrig eingestuft wird.

Die letzte Person, die durch einen Stromschlag in den USA hingerichtet wurde, war James Earl Reed, der im Juni 2008 in South Carolina ermordet wurde, weil er die Eltern seiner Ex-Freundin getötet hatte. Der letzte Insasse aus Virginia, der sich für einen Stromschlag entschied, war der 27-jährige Brandon Hedrick, der 2006 starb, weil er eine junge Mutter vergewaltigt und getötet hatte. Kaine gab ihn bis zur letzten Minute auf, um sich für eine tödliche Injektion zu entscheiden, aber er fuhr mit einem Stromschlag fort.

 

Elliott war die 105. Person, die in Virginia hingerichtet wurde, seit die Todesstrafe 1976 wieder eingeführt wurde. Seit 1995, als der Staat die Möglichkeit der tödlichen Injektion anbot, gab es 76 tödliche Injektionen und fünf Stromschläge.

 

 

Mittwoch, 11.November 2009

Hinrichtung in Virginia  -  Letzter Vorhang für den "Washington Sniper"

 

John Allen Muhammad.
The Washington Sniper.

Er terrorisierte wochenlang die US-Hauptstadt, war beteiligt an der willkürlichen Ermordung von zehn Menschen. Jetzt wurde der als "Heckenschütze von Washington" bekannte John Allen Muhammad hingerichtet - und die US-Medien erwiesen ihm zuverlässig die letzte Ehre.

Die Medienkrise macht auch vor Hinrichtungen nicht halt. Viele US-Zeitungen schicken keine Reporter mehr zu Exekutionen, weil die Anreise zu teuer ist und sie nur noch selten Schlagzeilen machen. Das führt schon zu Artikeln darüber, ob ein weiterer Journalisten-Berufszweig ausstirbt. Diesmal: der Hinrichtungsexperte.

Am Dienstagabend jedoch erlebte das Genre noch einmal eine Renaissance. Pünktlich um neun Uhr, zur besten Sendezeit, begann im Greensville Correctional Center in Virginia die Hinrichtung von John Allen Muhammad, 48, - und die Journalisten balgten sich um den besten Platz.

 

 

Schließlich stand der Tod eines Medienstars auf dem Programm. Muhammad hat vor ziemlich genau sieben Jahren, im Oktober 2002, gemeinsam mit dem erst 17 Jahre alten Lee Boyd Malvo zehn Menschen in Washington und Umgebung wahllos erschossen - und eine ganze Region fast drei Wochen lang in Panik versetzt. Amerikas Medien tauften das tödliche Duo, das aus dem Auto mit einem Gewehr zielte, die "Washington Snipers", die Hauptstadt-Heckenschützen.

"Bald wird er die Hand des Teufels schütteln"

CNN-Talkshowlegende Larry King lässt seine Kameras, untermalt von einer Art Trommelwirbel, direkt auf den Wachturm des Gefängnisses halten. Fox News kündigt "Breaking News" an, "sobald wir die Hinrichtung bestätigen können". Ein Top-Polizist beteuert vor laufender Kamera, wie gerne er selbst die Exekution durchführen würde: "Bald wird Muhammad die Hand des Teufels schütteln."

Unter den Zuschauern im Gefängnis wartet auch Marion Lewis, Vater von Lori Ann Lewis-Rivera. Sie reinigte am 3. Oktober 2002 ihr Auto an einer Tankstelle bei Silver Springs, als sie der tödliche Schuss traf. Lewis hatte "Inside Edition", ein TV-Klatschmagazin, gefragt, ob man ihm die Anreise aus Idaho nach Virginia bezahlen könne - im Austausch gegen ein Interview vor der Hinrichtung und eines danach. Die Fernsehleute waren dazu gern bereit. Schließlich hat der trauernde Vater eine Menge zu sagen. Er würde Muhammad am liebsten eigenhändig töten, ganz langsam, drei Tage lang. "Er würde dabei die ganze Zeit schreien", erklärt Lewis der Nachrichtenagentur AP.

Doch vor dem Greensville Correctional Center sind keine Schreie zu hören, und fast wird klar, warum die Medien über Hinrichtungen nur noch so selten berichten. Um 21.18 Uhr tritt ein Gefängnissprecher vor die Journalisten. Er sagt, die Hinrichtung sei vollzogen worden. Um 21.06 Uhr habe Muhammad die Giftinjektion erhalten, um 21.11 Uhr habe man den Tod festgestellt. Ruhig sei der Todeskandidat gewesen, gekleidet in Jeans, Hemd und Flip-Flops. Fast bewegungslos. Ein letztes Wort? Nein, nichts.

Die Reporter bombardieren den Zeugen mit Fragen. Welche Farbe Muhammads Hemd doch gleich? Wirklich kein letztes Wort? Und wieso die Flip-Flops? Es ist ein Spektakel, wie es Gegner der Todesstrafe so häufig anprangern. Doch, anders als sonst bei Hinrichtungen, haben sich kaum Protestler eingefunden.

Kein Protest gegen die Exekution.

Denn Muhammad taugt einfach nicht als Symbolfigur gegen den staatlich verordneten Tod. Seine Verbrechen waren so abscheulich, so wahllos, so sinnlos. Muhammad und Malvo fuhren kreuz und quer durch Washington und Umgebung in einem verbeulten Chevrolet, den sie für 250 Dollar gekauft hatten, sie hatten die Sitze so umgebaut, dass man im Liegen schießen konnte. Der junge Malvo feuerte wohl alle Schüsse ab.

Die Opferwahl erfolgte völlig willkürlich: Es traf Menschen auf Spielplätzen, an Tankstellen, beim Rasenmähen oder beim Einkaufen. Das Duo wütete vom 2. Oktober bis zum 22. Oktober. Allein am 3. Oktober 2002 töteten die beiden Männer fünf Menschen im Norden der Stadt.

Es war eine traumatische Zeit für die US-Hauptstadt, nur ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September, der Terror schien zurückzukommen. Eltern behielten ihre Kinder zu Hause, die Gärten und Parks lagen verwaist da, mitten im sonnigen Herbst, jede kleine Besorgung wurde zur Reise mit der Angst.

Die "Snipers" zogen durchs Land, zwischendurch versuchten sie Geld zu erpressen, stellten sich dabei jedoch dilettantisch an. Muhammad schien mit den Motiven der islamistischen Terroristen zu sympathisieren, aber auch das wohl nur halbherzig. Vielleicht wussten die beiden selbst nicht, was sie trieb, außer Wahn und Größenwahn. Muhammad rief bei der Polizei an, er schrie in den Hörer: "Ich bin Gott." Ein Fingerabdruck des jungen Malvo führte die Ermittler auf ihre Spur. Sie fanden das Duo in seinem Auto, schlafend.

Gnadengesuche bis zur letzten Minute.

Für Muhammad war es das traurige Ende eines ziemlich traurigen Lebens. Er kämpfte im Golfkrieg, doch fasste danach nicht mehr Tritt. Er wurde gewalttätig in seiner Ehe, er entführte seine Kinder nach Antigua. Dort freundete er sich mit Malvo an, als er den Jungen und seine Mutter traf. Auch dessen junges Leben war schon aus der Bahn geraten, er kam aus einer heillos zerrütteten Familie. Muhammad wurde wohl eine Vaterfigur für ihn, die beiden lebten gemeinsam in Obdachlosenheimen, in ihrem Auto.

Malvo sitzt im Gefängnis, die Todesstrafe blieb dem Jugendlichen erspart. Doch er wird lebenslang inhaftiert bleiben, ohne Aussicht auf Gnade. Seine Sozialarbeiterin zeigt Journalisten Bilder, die er gemalt hat, auf denen er weint. Sie glaubt: Er ist jetzt ein anderer Mensch, fern von Muhammads Einfluss.

Und Muhammad? Nur seine Anwälte sprechen noch für ihn und über ihn. Sie argumentierten im Prozess, er habe ja gar nicht geschossen, doch die Geschworenen verurteilten ihn einstimmig. Später machten die Verteidiger geltend, der Kriegsveteran leide unter Schizophrenie. So baten sie bis zur letzten Minute um Gnade für ihn.

"Wie fühlen Sie sich?"

Nach der Hinrichtung sagt einer der Anwälte, er fühle sich schrecklich. Doch dann spricht er so begeistert über Verfahrensfehler und mögliche Einwände, als wirke er vor allem traurig, dass jetzt sein schöner Fall vorbei ist.

Die Reporter, die bei der Hinrichtung dabei waren, werden von ihren Kollegen draußen mit Fragen bestürmt, was sie empfunden haben während der Exekution. Sie antworten: "Wir machen nur unseren Job." Sie wiederholen es, fast ärgerlich, ihnen scheint die Frage unangenehm zu sein. Dann fällt ihnen doch noch etwas ein: Eine Frau im Zuschauerraum habe im Moment, als der Tod festgestellt wurde, gesagt: "Interessant."

Larry King bohrt da lieber selbst nach. Auf CNN interviewt er live Steven Moore, Bruder eines der Muhammad-Opfer. "Ihre Schwester wurde getötet von einem Mann, der gerade vom Bundesstaat Virginia getötet wurde. Wie fühlen Sie sich?"

Gleichzeitig werden die Bilder der getöteten Schwester eingeblendet. Moore ringt nach Worten. King hat dafür keine Zeit. "Haben Sie jetzt das Gefühl, einen Schlussstrich ziehen zu können?", hakt er nach. Fünf Minuten nach der Hinrichtung.

Moores Antwort, welche Überraschung: "Nein."

Quellen: - Von Gregor Peter Schmitz, Washington

 

 

Dienstag, 25.September 2012

Der 48-jährige Cleve Foster mit einer tödlichen Injektion (Überdosis Pentobarbital) hingerichtet. 

AUSTIN - Nach einem Gerichtsbeschluss des Strafgerichtshofs Nr. 1 in Tarrant County soll Cleve Foster am 25. September 2012 nach 18.00 Uhr hingerichtet werden. Am 12. Februar 2004 befand eine Jury in Tarrant County Foster des Mordes für schuldig von Nyanuer "Mary" Pal.

Foster war am 12.Februar 2004 deshalb zum Tode verurteilt worden, weil er 2002 eine 30-jährige sudanesische Immigrantin gemeinsam mit einem Freund ermordet haben soll. Der Freund, Sheldon Ward, wurde 2004 ebenfalls zum Tode verurteilt, starb allerdings im Gefängnis an Krebs. Zuvor hatte Ward mehrfach erklärt, die Tat alleine begangen zu haben. Foster beteuerte bis zuletzt seine Unschuld und beklagte, nicht ausreichend Rechtsbeistand erhalten zu haben.

Bildergebnis für Cleve FOSTER

 

TATSACHEN DER KRIMINALITÄT

Das US-Berufungsgericht  beschrieb die Ermordung von Frau Pal wie folgt:

Am 13. Februar 2002 trafen sich Cleve Foster, Sheldon Ward und Nyanuer „Mary“ Pal im Fat Albert's, einer Bar in Fort Worth, in der alle drei Stammkunden waren. Laut dem Barkeeper interagierte Pal hauptsächlich mit Ward, bis die Bar um 2:00 Uhr morgens schloss. Dann ging sie mit Ward zum Parkplatz, wo sie sich ein paar Minuten unterhielten. Danach fuhr Pal mit ihrem Auto weg, dem Foster und Ward in Fosters Truck aber folgten.

Ungefähr acht Stunden später wurde Pals nackter Körper in einem Graben weit weg von einer Straße in Tarrant County entdeckt. Ihr war in den Kopf geschossen worden. Ein wattiertes Stück blutiges Klebeband lag neben ihrem Körper. Ihr unverschlossenes Auto wurde später auf dem Parkplatz des Apartmentkomplexes gefunden, in dem sie lebte.

Die polizeilichen Ermittlungen konzentrierten sich sofort auf Foster und Ward, als die Polizei erfuhr, dass sie in dieser Nacht bei Pal waren. Am 21. Februar 2002 durchsuchte die Polizei das Motelzimmer, das sich Foster und Ward geteilt hatten. Nur Foster war anwesend. Er wies die Polizei an eine Kommode mit einer Waffe, die Ward im August 2001 in einem Pfandhaus gekauft hatte.

Später an diesem Tag ging Foster freiwillig zur Polizei, um eine Erklärung abzugeben und eine DNA-Probe zur Verfügung zu stellen. In seiner Aussage bestritt Foster zunächst, dass Pal in seinem Truck gewesen war. Dann gab er jedoch zu, dass sie sich möglicherweise hineingelehnt hatte. Schließlich gab er zu, dass „sie“ auf Kreuzfahrt gingen, aber „sie“ Pal zu ihrem Fahrzeug bei Fat Albert zurückbrachten. Die Polizei erhielt in der Nacht vom 21. Februar 2002 auch eine DNA-Probe von Ward.

Am 22. März 2002 gab Foster der Polizei eine weitere schriftliche Erklärung, in der er behauptete:

(1) Er und Ward folgten Pal zu ihrer Wohnung, nachdem sie sich bei Fat Albert getroffen hatten; 

(2) Pal sei freiwillig mit ihnen zu ihrem Motelzimmer gegangen, zu dem alle drei in seinem Lastwagen hingefahren seien; und

(3) nachdem er Schlaftabletten genommen und Bier getrunken hatte, sei er (Foster) vor dem Fernseher eingeschlafen, während Ward und Pal sich wild küssten.

Zusätzlich zu den Aussagen haben physische Beweise auch Foster und Ward mit der Straftat in Verbindung gebracht. DNA-Tests ergaben, dass Körperflüssigkeiten, die in Pals Körper gefunden wurden, sowohl DNA von Ward als auch von Foster enthielten. DNA-Tests ergaben auch, dass sich Pals Blut und Gewebe auf der Waffe befanden, die bei der Durchsuchung des Motelzimmers gefunden wurde. Darüber hinaus sagte ein Polizist und medizinischer Untersucher aus, dass Pal nicht dort erschossen wurde, wo ihr Körper gefunden wurde, weil in der Gegend kein Blutspritzer auftrat. Da die Fußsohlen darauf hinwiesen, dass sie nicht zu dem Ort gegangen war, an dem ihr Körper gefunden wurde, sagte der Detektiv aus, dass er "sehr genau" wisse, dass nur zwei Personen Pals Körper zu diesem Ort getragen haben können. Zur Untermauerung seines Zeugnisses bemerkte der Detektiv, dass die Position von Pals Körper mit erhobenem Arm darauf hindeutete, dass sie möglicherweise an ihren Füßen und Händen getragen wurde. Darüber hinaus stellte der Detektiv fest, dass Pal 5,7 und 130 Pfund wiegt und Ward nur 5,6 und 140 Pfund wiege, während Foster 6 Fuß groß ist und ungefähr 225 Pfund wiege.

VORKRIMINELLE GESCHICHTE

Nach texanischem Recht verhindern die Beweisregeln, dass bestimmte frühere Straftaten während der Schuld-Unschuld-Phase des Prozesses einer Jury vorgelegt werden. Sobald jedoch ein Angeklagter für schuldig befunden wurde, werden die Geschworenen über das frühere kriminelle Verhalten des Angeklagten in der zweiten Phase des Verfahrens informiert - in der sie über die Bestrafung des Angeklagten entscheiden. Während der Strafphase des Prozesses gegen Foster erfuhren die Geschworenen, dass Foster 1984 wegen Raubüberfalls verurteilt worden war. Die Geschworenen wurden auch über eine Aussage informiert, die Foster gegenüber einem Detektiv der Polizei von Fort Worth abgegeben hatte und die die Beteiligung des Angeklagten und Ward an der Ermordung von Rachel Urnosky im Jahr 2001 beschrieb.

VERFAHRENSGESCHICHTE

Am 6. Juni 2002 wurde Foster von einer Grand Jury in Tarrant County wegen der Straftat des Kapitalmordes angeklagt.

Am 12. Februar 2004 verurteilte eine Jury aus Tarrant County Foster wegen Kapitalmordes. 

Nachdem die Jury die Todesstrafe empfohlen hatte, verurteilte das Gericht Foster zum Tode durch tödliche Injektion.

  • Am 12. April 2006 bestätigte das texanische Berufungsgericht die Verurteilung und das Urteil.

  • Am 8. Januar 2007 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA einen Antrag auf Vollstreckung einer Klage ab.

  • Am 21. März 2007 lehnte das Oberste Gericht den Antrag von Foster auf staatliche Habeas-Hilfe ab.

  • Am 29. Oktober 2007 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA seinen Antrag auf Vollstreckung einer Urkunde ab.

  • Am 2. Dezember 2008 lehnte das Landgericht seinen Antrag auf Vollstreckung des Habeas Corpus ab

  • Am 15. März 2010 bestätigte das US-Berufungsgericht die Verweigerung des Habes Corpus.

  • Am 4. Oktober 2010 setzte das Gericht die Hinrichtung von Foster für den 11. Januar 2011 fest.

  • Am 13. Dezember 2010 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA erneut einen Antrag auf Vollstreckung einer Klage ab.

  • Am 21. Dezember 2010 reichte Foster beim Begnadigungsausschuss ein Gnadengesuch ein.

  • Am 22. Dezember 2010 reichte Foster einen Folgeantrag ein, mit dem ein staatlicher Haftbefehl gegen Habeas Corpus beantragt wurde.

  • Am 30. Dezember 2010 wies das texanische Berufungsgericht die Klage ab.

  • Am 7. Januar 2011 lehnte die Begnadigungsbehörde Fosters Gnadengesuch ab.

  • Am 11. Januar 2011 hat der Oberste Gerichtshof der USA die Hinrichtung von Foster ausgesetzt.

  • Am 18. Januar 2011 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA erneut Fosters Antrag auf Erlass einer Urkunde ab.

  • Am 29. Januar 2011 setzte das Gericht in Tarrant County den Hinrichtungstermin für Foster auf den 5. April 2011 fest.

  • Am 22. Februar 2011 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA den ursprünglichen Antrag auf Erlass eines Habeas Corpus ab.

  • Am 16. März 2011 reichte Foster beim Begnadigungsausschuss einen Gnadenantrag ein.

  • Am 29. März 2011 reichte Foster einen Antrag auf Feststellung und einstweilige Verfügung ein.

  • Am 1. April 2011 wurde der Antrag nach einer mündlichen Verhandlung vom Gericht abgelehnt.

  • Am 1. April 2011 beantragte der Oberste Gerichtshof der USA einen Hinrichtungsaufschub.

  • Am 4. April 2011 lehnte das Berufungsgericht von Texas Fosters Antrag auf Soforthilfe ab.

  • Am 5. April 2011 gewährte der Oberste Gerichtshof der USA Foster einen vorübergehenden Hinrichtungsaufschub.

  • Am 5. April 2011 reichte Foster seinen Antrag auf Wiederholung beim Obersten Gerichtshof der USA ein.

  • Am 27. April 2011 lehnte das Bezirksgericht Travis Fosters zweite einstweilige Verfügung ab.

  • Am 31. Mai 2011 hob der Oberste Gerichtshof der USA die Entscheidung über die Hinrichtung von Foster auf.

  • Am 17. Juni 2011 setzte das Gericht in Tarrant County den Hinrichtungstermin für Foster auf den 20. September 2011 fest.

  • Am 2. September 2011 reichte Foster einen zweiten staatlichen Habeas-Antrag ein.

  • Am 12. September 2011 wies das Court of Criminal Appeals den nachfolgenden Antrag von Foster zurück.

  • Am 16. September 2011 reichte Foster beim Obersten Gerichtshof der USA einen fünften Antrag auf Erteilung eines Zertifikats ein.

  • Am 20. September 2011 gewährte der Oberste Gerichtshof der USA einen Hinrichtungsaufschub.

  • Am 26. März 2012 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA Fosters fünfte Petition für Certiorari ab.

  • Am 1. Juni 2012 hat Foster beim Landgericht einen Antrag auf Aufhebung seines Urteils gestellt.

  • Am 14. Juni 2012 setzte das Gericht in Tarrant County den Hinrichtungstermin für Foster auf den 25. September 2012 fest.

  • Am 13. August 2012 lehnte das Landgericht den Antrag von Foster auf Aufhebung seines Urteils ab.

  • Am 17. September 2012 reichte Foster einen Antrag auf Bestätigung und einen Antrag auf Aussetzung der Vollstreckung ein.

  • Am 21. September 2012 lehnte das Berufungsgericht der Vereinigten Staaten den Antrag auf Aussetzung der Vollstreckung ab.

  • Am 23. September 2012 reichte Foster beim Obersten Gerichtshof der USA einen Antrag auf Aussetzung der Vollstreckung ein.

  • Am 25. September 2012 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA den Antrag auf Aussetzung der Vollstreckung ab.

Mitteilung an die Öffentlichkeit:

Der US-Bundesstaat Texas hat am Dienstagabend (Ortszeit) den wegen Mordes verurteilten 48 Jahre alten Cleve Foster hingerichtet. 25 Minuten nachdem Foster die Giftspritze injiziert worden war, wurde er um 18.43 Uhr texanischer Zeit für tot erklärt, berichteten amerikanische Medien.

In seinen letzten Worten äußerte sich Foster nicht mehr über Schuld oder Unschuld. Er wandte sich an seine Verwandten und an Gott: „Gott ist alles. Er ist mein Leben. Heute Nacht werde ich bei ihm sein.“ Der Staatsanwalt sagte eine Woche vor der Hinrichtung über den Fall: „Ich bin so überzeugt von Fosters Schuld, wie man es sein kann, ohne die Tat gesehen zu haben.“

Es war die neunte Hinrichtung in Texas und die 30. in den USA in diesem Jahr.

 

 

 

 

 

 

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